Es gibt in der Formel 1 einen Fahrer, der nie ein Rennen gewonnen, nie ein Überholmanöver gemacht hat und das auch nie wollte. Er heißt Bernd Mayländer, ist Deutscher und feierte im März 2026 in Melbourne seinen 500. Grand Prix am Steuer des Safety Cars. Angefangen hatte er im Jahr 2000, ebenfalls in Australien. In einem Vierteljahrhundert hat er Weltmeister, Reglements und Autogenerationen kommen und gehen sehen und war immer da: vor allen anderen, aber ohne Rennen zu fahren.
Das Safety Car in der Formel 1 ist das Auto, das die Rennleitung auf die Strecke schickt, wenn das Rennen neutralisiert werden muss, etwa nach einem Unfall, wegen Trümmerteilen auf dem Asphalt oder bei Regen. Die Fahrer reihen sich dahinter ein, dürfen nicht überholen und fahren mit reduziertem Tempo, bis die Strecke wieder sicher ist. Dann biegt das Safety Car in die Boxengasse ab, und das Rennen geht weiter.
So gesagt klingt das nach einer Pause. In Wirklichkeit ist es einer der Momente, in denen ein Grand Prix komplett kippen kann.
Wann das Safety Car auf die Strecke kommt
Die Entscheidung liegt beim Rennleiter. Das Safety Car kommt, wenn eine Gefahr besteht, die die Streckenposten bei laufendem Rennen beseitigen müssen: ein Auto, das an einer ungeschützten Stelle steht, Trümmer auf der Ideallinie, beschädigte Barrieren oder Regen, der so stark ist, dass das Rennen zu riskant wird. Die Fahrer bekommen das Signal über die Leuchttafeln und auf dem Lenkrad, die Streckenposten zeigen gelbe Flaggen mit der SC-Tafel, und ab diesem Moment darf niemand mehr angreifen.
Der Grund ist einfach: Wenn das Feld zusammengeführt und das Tempo gesenkt wird, kann auf der Strecke gearbeitet werden, ohne alles anzuhalten. Ist die Lage zu ernst, um sie so zu lösen, gibt es die rote Flagge, und das Rennen wird unterbrochen.

Die Regeln hinter dem Safety Car
Ist das Safety Car auf der Strecke, übernimmt es die Spitze des Rennens, und die Autos reihen sich dahinter ein. Die wichtigsten Regeln:
- Überholen ist verboten, mit ganz wenigen Ausnahmen, etwa wenn ein Fahrer wegen eines Problems langsamer wird.
- Die Boxengasse bleibt offen. Deshalb ist eine Safety-Car-Phase oft der ideale Moment für einen Reifenwechsel: Man verliert viel weniger Zeit als bei voller Fahrt, wie die Strategen genau wissen, die die Entscheidungen am Kommandostand treffen.
- Hält die Rennleitung es für sicher, erhalten die überrundeten Autos die Nachricht, dass sie sich zurückrunden dürfen: Sie überholen den Führenden und das Safety Car und schließen sich hinten an das Feld an.
- In der letzten Runde der Neutralisation schaltet das Safety Car die orangefarbenen Leuchten auf dem Dach aus und fährt an die Box; der Führende entscheidet, wann er Gas gibt, und das Rennen wird wieder freigegeben, doch vor der Kontrolllinie darf niemand überholen.
Gerade die Regel zu den Überrundeten löste die berühmteste Kontroverse der jüngeren Geschichte aus. In Abu Dhabi 2021, in der letzten, titelentscheidenden Runde, ließ die Rennleitung nur die Autos zurückrunden, die zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen lagen. Verstappen auf frischeren Reifen startete direkt hinter dem Mercedes neu, überholte ihn und gewann den Titel. Seitdem wurde das Reglement umgeschrieben: Wird zurückgerundet, müssen es alle Überrundeten tun, nicht nur einige.
Bis 2025 gab es beim Neustart noch ein Detail: Das DRS blieb eine Runde lang deaktiviert (bis 2023 waren es sogar zwei). Seit 2026 gibt es das DRS nicht mehr, aber die Logik bleibt dieselbe: Wer besser neu startet, gewinnt, wer unaufmerksam ist, verliert.
Das virtuelle Safety Car
Manchmal braucht es kein echtes Safety Car. Für kleinere Probleme gibt es seit 2015 das virtuelle Safety Car: Kein Auto ist auf der Strecke, aber alle Fahrer müssen langsamer werden und in jedem Sektor eine elektronisch überwachte Mindestzeit einhalten. Die Abstände zwischen den Autos bleiben ungefähr gleich, und niemand darf überholen.
Es wurde nach dem Unfall von Jules Bianchi in Suzuka 2014 eingeführt, als sein Marussia im Regen von der Strecke abkam und gegen einen Bergekran prallte, der gerade ein anderes Auto abtransportierte. Bianchi starb neun Monate später. Genau dafür ist das virtuelle Safety Car da: Alle müssen sofort langsamer fahren, ohne dass man warten muss, bis sich das Feld hinter einem Auto gesammelt hat.
Eine Geschichte, die 1973 begann
Das erste Safety Car der Formel 1 kam beim Großen Preis von Kanada 1973 im Regen auf die Strecke: Es war ein Porsche 914, gefahren von Eppie Wietzes. Ein glückliches Debüt war es nicht. Das Auto setzte sich vor den falschen Fahrer, das Feld geriet durcheinander, und nach der Zielflagge dauerte es Stunden, bis klar war, wer gewonnen hatte.
Offizieller Bestandteil des Reglements wurde das Safety Car erst 1993. Seitdem hatte es viele Gesichter, aber eines ganz besonders: Mercedes, das beim Großen Preis von Frankreich 1996 zum ersten Mal ausrückte und 2026 dreißig Jahre in dieser Rolle feierte. Von 2021 bis 2025 teilte sich Mercedes die Aufgabe mit Aston Martin, das den Vantage stellte. Der Vertrag von Aston Martin lief Ende 2025 aus, und im Januar 2026 bestätigte die Marke, dass sie ihn nicht verlängern würde: ohne offizielle Begründung, laut Presse spielten aber wirtschaftliche Gründe eine Rolle, in einem Jahr, in dem das Team viele andere Baustellen hatte.

Das Safety Car 2026
2026 blieb Mercedes allein und wechselte mitten in der Saison das Auto. Beim Großen Preis von Ungarn Ende Juli debütierte der Mercedes-AMG GT 63 PRO 4MATIC+, der den seit 2022 eingesetzten GT Black Series ablöste. Es ist das vierzehnte Safety Car der deutschen Marke und das erste mit variablem Allradantrieb.
Die Zahlen beeindrucken für ein Auto, das nichts gewinnen muss: 4,0-Liter-V8-Biturbo, 612 PS, von 0 auf 100 km/h in 3,1 Sekunden und 317 km/h Höchstgeschwindigkeit in der Serienversion. Er hat weniger Leistung als der Black Series, bringt sie aber besser auf die Straße, vor allem bei Nässe. An seiner Seite arbeitet das Medical Car, ein Mercedes-AMG GT 63 S 4MATIC+.
Warum so viel Leistung? Weil dahinter Formel-1-Autos fahren, und ein Formel-1-Auto, das zu langsam fährt, verliert Temperatur in Reifen und Bremsen. Je schneller das Safety Car, desto besser bleiben Reifen und Bremsen auf Temperatur und desto besser gehen die Autos in den Neustart.
Warum das Safety Car auch Marketing ist
Jedes Mal, wenn das Safety Car auf die Strecke kommt, wird es für ein paar Runden zu einem der meistgezeigten Autos der Übertragung. Es führt das Feld an, taucht in jeder Wiederholung auf und trägt die Marke auf der Motorhaube und an den Seiten. Es ist kein Zufall, dass Mercedes diese Rolle seit dreißig Jahren innehat und dass Aston Martin sie genau in den Jahren seiner Rückkehr in die Formel 1 als Team übernommen hat.
Es zeigt, dass Sichtbarkeit in diesem Sport nicht nur über die Lackierungen der Rennwagen entsteht. Offizieller Ausrüster zu sein ist ebenfalls eine Form von Sponsoring in der Formel 1, mit einem seltenen Vorteil: Das Produkt taucht nicht nur auf, es wird auf der Strecke vor dem weltweiten TV-Publikum der Formel 1 eingesetzt. Besser als jeder Werbespot.
Häufige Fragen zum Safety Car in der Formel 1
Was ist das Safety Car in der Formel 1?
Das ist das Auto, das die Rennleitung auf die Strecke schickt, um das Rennen nach einem Unfall, bei Trümmerteilen auf dem Asphalt oder bei starkem Regen zu neutralisieren. Die Fahrer reihen sich dahinter ein, dürfen nicht überholen und fahren mit reduziertem Tempo, bis die Strecke wieder sicher ist.
Welches Safety Car fährt 2026 in der Formel 1?
Seit dem Großen Preis von Ungarn im Juli 2026 ist es der Mercedes-AMG GT 63 PRO 4MATIC+ mit 612 PS starkem V8-Biturbo und variablem Allradantrieb. Er löste den seit 2022 eingesetzten Mercedes-AMG GT Black Series ab. Seit 2026 ist Mercedes nach dem Ausstieg von Aston Martin der einzige Lieferant.
Wer fährt das Safety Car in der Formel 1?
Bernd Mayländer, ein deutscher Rennfahrer, der das Safety Car der Formel 1 seit 2000 fährt. In Melbourne erreichte er im März 2026 seinen 500. Grand Prix in dieser Rolle.
Darf man hinter dem Safety Car überholen?
Nein, von seltenen Ausnahmen abgesehen. Überrundete Autos dürfen das Safety Car nur überholen, wenn die Rennleitung ihnen das Zurückrunden erlaubt, und seit 2022 verlangt das Reglement, dass es alle tun. Beim Neustart darf vor der Kontrolllinie niemand überholen.
Was ist der Unterschied zwischen Safety Car und virtuellem Safety Car?
Beim Safety Car führt ein echtes Auto das Feld an, und die Autos rücken zusammen. Beim virtuellen Safety Car, das 2015 eingeführt wurde, ist kein Auto auf der Strecke: Alle Fahrer müssen langsamer werden und eine elektronisch überwachte Mindestzeit einhalten, die Abstände bleiben ungefähr gleich.
Wann wurde das Safety Car in der Formel 1 zum ersten Mal eingesetzt?
Beim Großen Preis von Kanada 1973, mit einem Porsche 914, den Eppie Wietzes fuhr. Offizieller Bestandteil des Reglements wurde es 1993.