Wenn von F1 und CSR die Rede ist, also von Sponsoring und unternehmerischer Gesellschaftsverantwortung, ist die häufigste Reaktion Skepsis: Ein Sport, der mit Flugzeugen und Lkw um die Welt reist, kann nicht nachhaltig sein, und ein Sponsor, der von sozialer Verantwortung spricht, betreibt Greenwashing. Der Verdacht ist berechtigt. Aber die Formel 1 misst heute ihre Emissionen, veröffentlicht die Ergebnisse und hat ein Ziel mit Datum. Für ein Unternehmen macht genau das CSR in der F1 zu einem ernsthaften Thema: Sie lässt sich belegen, nicht nur behaupten.
Was CSR in einem F1-Sponsoring bedeutet
Corporate Social Responsibility, kurz CSR, umfasst die ökologischen, sozialen und unternehmensführungsbezogenen Verpflichtungen, die ein Unternehmen über den Gewinn hinaus eingeht. Im Sponsoring heißt das, Sichtbarkeit und Ressourcen der Partnerschaft für ein messbares Ergebnis bei einem konkreten Thema zu nutzen: Emissionen, Sicherheit, Inklusion, Ausbildung. Der Unterschied zur reinen Markenpräsenz: Das Ergebnis lässt sich zählen.
Die Zahlen: wie viel die Formel 1 ausstößt und wie viel sie reduziert hat
2019 hat sich die Formel 1 das Ziel Net Zero bis 2030 gesetzt. Ausgangspunkt ist 2018 mit einem Fußabdruck von 228.793 Tonnen CO2-Äquivalent, einem Wert, den die F1 selbst mit genaueren Lieferantendaten neu berechnet hat. Ende 2024 lag er bei 168.720 Tonnen: minus 26 Prozent, mehr als die Hälfte der bis 2030 vorgesehenen Mindestreduktion von 50 Prozent.
Die Zahl wiegt schwerer, wenn man den Kontext betrachtet. Im selben Zeitraum wuchs der Kalender von 21 auf 24 Rennen, das Publikum an der Strecke von 4 auf 6,5 Millionen Menschen, und die Zahl der Fans weltweit überstieg 826 Millionen. Laut der Formel 1 selbst wären die Emissionen ohne Gegenmaßnahmen gegenüber 2018 um rund 10 Prozent gestiegen.
Auch das Auto hat sich verändert. Seit 2026 fahren die Antriebseinheiten mit 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff, und die Spitzenleistung verteilt sich etwa zur Hälfte auf Verbrennungsmotor und elektrischen Teil. Für eine Marke, die über Innovation und Energiewende sprechen will, ist das eine glaubwürdige Plattform.
Drei CSR-Modelle, die in der Formel 1 funktionieren
Aus der Arbeit mit unseren Kunden sehe ich drei Wege, ein Sponsoring mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Alle funktionieren, wenn die Initiative mit dem Produkt oder dem Kerngeschäft des Sponsors verknüpft ist, nicht wenn sie nur aufgesetzt wird.
1. Verantwortung für das eigene Produkt: Heineken. 2016 debütierte Heineken als F1-Partner mit der Kampagne „When You Drive, Never Drink“, in der Sir Jackie Stewart den ganzen Spot über ein Bier ablehnt, weil er fahren muss. Eine Biermarke, die die Formel 1 nutzt, um zu sagen, dass man am Steuer nicht trinkt: Die Botschaft passt zum Produkt, und deshalb ist sie glaubwürdig.
2. Emissionen im eigenen Kerngeschäft senken: DHL. 2023 setzte DHL, Logistikpartner der F1, bei den neun Europarennen 18 Lkw mit HVO100-Biokraftstoff ein, auf mehr als 10.600 Kilometern. Die Emissionen des Straßentransports sanken im Schnitt um 83 Prozent gegenüber Diesel, nach einer zertifizierten Berechnung. DHL hat Nachhaltigkeit nicht erzählt, sondern umgesetzt, mit den Lkw, die das Unternehmen ohnehin betrieb.
3. Inklusion und Zugang: F1 Academy. 2023 startete die F1 Academy, die reine Frauenserie auf Formel-4-Niveau. Seit 2024 unterstützen die zehn damaligen F1-Teams je eine Fahrerin in ihren Farben (Cadillac, seit 2026 dabei, folgt ab 2027), und 2026 bringt auch die LEGO Gruppe ein Auto an den Start. Für ein Unternehmen ist das ein konkreter Weg, den eigenen Namen mit Inklusion zu verbinden, mit einer Startaufstellung und sportlichen Ergebnissen, über die man berichten kann.
Fünf Regeln für ein F1-Sponsoring mit echter Wirkung
Wenn uns ein Unternehmen bittet, ein Sponsoring in der Formel 1 mit einem CSR-Ziel aufzubauen, gehen wir immer von diesen fünf Regeln aus.
- Ein Thema nahe am eigenen Geschäft wählen. Heineken spricht über verantwortungsvollen Konsum, DHL über Logistik. Stimmigkeit ist der erste Schutz vor dem Greenwashing-Vorwurf.
- Vor der Unterschrift ein messbares Ziel festlegen. Vermiedene Tonnen CO2, geschulte Menschen, Stunden ehrenamtlicher Arbeit: ein Ausgangswert und ein Zielwert.
- Sich an der Nachhaltigkeitsstrategie des Teams oder der Meisterschaft ausrichten. Das Net-Zero-Ziel 2030 der F1 bietet einen öffentlichen Rahmen, an dem man sich messen kann.
- Mitarbeitende und Kunden einbinden. Hospitality, Werksbesuche und Events können auch Ausbildungs- oder Zugangsprogrammen dienen, für Menschen, die sonst nie ein Fahrerlager betreten.
- Berichten. Ergebnisse veröffentlichen, auch wenn sie unvollständig sind. Eine unvollkommene, aber überprüfbare Zahl ist mehr wert als ein Versprechen.
Das Budget zählt, entscheidet aber nicht allein: Mit unserem Rechner für die Kosten eines F1-Sponsorings lässt sich die Investition abschätzen, danach muss man festlegen, was man über das Logo hinaus erreichen will.
Das Greenwashing-Risiko, offen gesagt
Ein Sponsoring, bei dem CSR nur in der Pressemitteilung steht, ist schlimmer als gar keine CSR. Das Formel-1-Publikum ist informiert, die Fachpresse prüft nach, und die Daten der Meisterschaft sind öffentlich: Wer verspricht, was er nicht misst, fliegt auf. Meiner Meinung nach ist das der gesündeste Teil dieser Entwicklung: Er zwingt Sponsoren, echte Dinge zu tun.
Die Formel 1 ist kein Sport ohne Auswirkungen und wird es so bald nicht sein. Aber sie ist ein Sport, der beschlossen hat, sich messen zu lassen, und das ermöglicht es auch den Sponsoren. Erst die Zahlen, dann die Geschichte.
Häufige Fragen zu Sponsoren, CSR und Formel 1
Was bedeutet CSR bei einem Formel-1-Sponsoring?
Es bedeutet, die Partnerschaft mit einem Team oder der Meisterschaft zu nutzen, um neben der Markensichtbarkeit ein messbares soziales oder ökologisches Ergebnis zu erzielen, etwa weniger Emissionen, mehr Sicherheit oder mehr Inklusion.
Hat die Formel 1 ein Nachhaltigkeitsziel?
Ja. 2019 hat sich die Formel 1 das Ziel Net Zero bis 2030 gesetzt. Gegenüber 2018 hatte sie ihren CO2-Fußabdruck bis Ende 2024 um 26 Prozent gesenkt, von 228.793 auf 168.720 Tonnen CO2-Äquivalent.
Welchen Kraftstoff nutzt die Formel 1 seit 2026?
Seit 2026 nutzen die Antriebseinheiten der Formel 1 zu 100 Prozent nachhaltigen Kraftstoff, und die Spitzenleistung verteilt sich etwa zur Hälfte auf Verbrennungsmotor und elektrische Komponente.
Welche F1-Sponsoren betreiben CSR glaubwürdig?
Drei Beispiele: Heineken mit der Kampagne gegen Alkohol am Steuer „When You Drive, Never Drink“ von 2016; DHL, das 2023 die Lkw-Emissionen bei den Europarennen mit HVO100-Biokraftstoff im Schnitt um 83 Prozent senkte; sowie die Teams und Partner, die die Fahrerinnen der F1 Academy unterstützen.
Was ist die F1 Academy?
Die 2023 gestartete reine Frauenserie auf Formel-4-Niveau. Seit 2024 unterstützen die zehn damaligen Formel-1-Teams je eine Fahrerin in ihren Farben, weitere Autos werden von den Partnern der Serie getragen.
Wie vermeidet man Greenwashing bei einem Sportsponsoring?
Indem man ein Thema wählt, das zum eigenen Geschäft passt, vor der Unterschrift messbare Ziele festlegt, sich an der Nachhaltigkeitsstrategie des Teams oder der Meisterschaft ausrichtet und die Ergebnisse veröffentlicht, auch wenn sie unvollständig sind.